TARDOC in Radiologie, Augenheilkunde und Orthopädie: Warum diese drei Fachgebiete besonders von Kürzungen betroffen sind
Hohe Rechnungswerte, hohe Fallzahlen und strenge Dokumentationsregeln machen Radiologie, Augenheilkunde und Orthopädie zu bevorzugten Zielen automatisierter TARDOC-Prüfungen. Was typischerweise fehlt und wie eine Vorab-Prüfung der Krankengeschichte helfen kann.
Seit dem 1. Januar 2026 rechnen ambulante Praxen und Institute nach TARDOC und den ambulanten Pauschalen ab. Versicherer prüfen die Rechnungen weitgehend automatisiert. Laut prio.swiss sparen sie mit der Kontrolle von über 130 Millionen Rechnungen jährlich rund CHF 3.5 Milliarden. Besonders betroffen sind Fachgebiete mit hohen Einzelrechnungswerten und hohen Fallzahlen, bei denen der Freitext der Dokumentation die Position tragen muss.
Drei Fachgebiete stechen dabei hervor: Radiologie, Augenheilkunde sowie Orthopädie und Unfallchirurgie. Sie vereinen hohe technische oder mehrteilige Rechnungen mit strengen Regeln zu Indikation, Laterality und Kombinationen. Fehlt im Bericht oder in der Krankengeschichte die geforderte Formulierung, greifen die automatisierten Prüfungen besonders häufig.
Radiologie: Indikation muss im Bericht stehen
Radiologische Untersuchungen wie MRI, CT oder PET erzeugen hohe Einzelrechnungswerte. TARDOC trennt technische Komponenten (Geräte und Infrastruktur) von der ärztlichen Leistung (Befundung). Versicherer kürzen oder weisen Rechnungen zurück, wenn der Freitext des radiologischen Berichts die klinische Fragestellung oder den anatomischen Fokus nicht explizit nennt, der die gewählte Position rechtfertigt.
Die Schweizerische Gesellschaft für Radiologie hat wiederholt auf die Vergütungskürzungen im bildgebenden Bereich hingewiesen. In der Praxis bedeutet das: Eine CT oder ein MRI wird abgerechnet, der Bericht sagt aber nur «unauffällig» oder «kein akuter Befund», ohne die zuweisende Frage zu zitieren. Die technische Position wird dann reduziert oder abgelehnt.
Augenheilkunde: Kumulation und Frequenz
Augenkliniken arbeiten mit hohem Durchsatz. Diagnostik (OCT, Gesichtsfeld, Biometrie) und kurze Eingriffe folgen oft eng aufeinander. TARDOC setzt hier enge Kumulationsverbote und Häufigkeitsgrenzen. Bestimmte Untersuchungen dürfen nur einmal pro Auge und Zeitraum oder nur bei dokumentierter Pathologie verrechnet werden.
Öffentlich wurde ein Fall aus einer Augenklinik diskutiert, in dem eine Untersuchung und eine intravitreale Injektion auf zwei Termine aufgeteilt wurden. Die Organisation ambulante Arzttarife (OAAT) bewertete die Trennung von Voruntersuchung und Injektion auf unterschiedliche Kalendertage als nicht nachvollziehbar. Ähnliche Rückweisungen entstehen, wenn OCT oder Gesichtsfeld für beide Augen abgerechnet werden, der Bericht aber die Pathologie oder den Befund nicht seitengetrennt und wörtlich ausweist.
Orthopädie und Unfallchirurgie: Untersuchung und Injektion am selben Gelenk
Orthopädische Praxen rechnen häufig mehrere Positionen am selben Patienten und am selben Gelenk ab: klinische Untersuchung, therapeutische Injektion, Röntgen in der Praxis und orthopädische Hilfsmittel. TARDOC erlaubt die Kombination von diagnostischer Untersuchung und Injektion am selben Gelenk nur, wenn die Dokumentation zeigt, dass beide Schritte unabhängig und medizinisch notwendig waren.
Fehlt im Freitext die explizite Beschreibung der klinischen Tests (zum Beispiel Stabilitätsprüfungen oder Bewegungsbefunde) vor der Injektion, kürzen die automatisierten Systeme die Rechnung. Die Praxis muss dann nachweisen, dass die Untersuchung nicht nur der Vorbereitung der Injektion diente.
Was die Vorab-Prüfung konkret prüft
Praxissoftware kontrolliert in der Regel Tarifregeln wie Limitationen und Kumulationen. Ob der Freitext der Krankengeschichte oder des Berichts die geforderten Inhalte enthält, prüft sie nicht. Genau hier greift die Vorab-Prüfung von Rebuttal Studio.
Für jede vorgesehene Position zeigt sie entweder das wörtliche Zitat aus dem Eintrag, das die geforderten Inhalte belegt, oder den Hinweis, was fehlt. In der Radiologie prüft sie, ob die klinische Indikation im Bericht genannt ist. In der Augenheilkunde markiert sie fehlende Seitenangaben oder Pathologie-Dokumentation. In der Orthopädie sucht sie nach den klinischen Testbefunden, die eine kombinierte Abrechnung tragen.
Die Verarbeitung läuft flüchtig auf Servern von Flow Swiss in der Schweiz. Nichts wird gespeichert. Die Entscheidung, ob und wie abgerechnet wird, bleibt bei der Ärztin oder dem Arzt. Bei bereits erfolgten Kürzungen bereitet dieselbe Software die Stellungnahme mit wörtlichen Zitaten vor.
Die drei Fachgebiete erzeugen die Kombination aus hohem Rechnungswert, hohem Volumen und strengen Dokumentationsanforderungen, die automatisierte Prüfungen am stärksten treffen. Eine Prüfung des Freitexts vor dem Versand reduziert die Fälle, in denen die Dokumentation die Position nicht trägt.
Quellen
- Medical Tribune: Erfahrungen und Tipps nach Einführung von TARDOC (26.08.2026)
- Blick: Tardoc: Des ophtalmos profitent d'une faille du tarif (13.05.2026)
- Schweizerische Gesellschaft für Radiologie: FAQ Tarife
- TARDOC Online Browser
- Rebuttal Health: Vorab-Prüfung der Krankengeschichte
- Rebuttal Studio: Vorab-Prüfung und Stellungnahme ohne Installation testen