Liquidität nach dem Tarifwechsel: was Aarau, das USZ und das LUKS zeigen
Monatelang konnten Spitäler ambulante Leistungen nach dem Tarifwechsel nicht oder nur teilweise abrechnen. Ein Rückblick auf die Engpässe von Januar bis Mai 2026 und was sie für Praxen bedeuten.
Mit TARDOC und den ambulanten Pauschalen hat sich am 1. Januar 2026 nicht nur der Tarif geändert, sondern auch die Software, mit der Spitäler und Praxen abrechnen. Wo diese Software nicht rechtzeitig bereit war, blieben Rechnungen liegen, und mit ihnen das Geld.
Januar: «In Aarau fehlen monatlich über 20 Millionen Franken»
Mitte Januar berichtete 20 Minuten über die ersten Folgen. Beim Kantonsspital Aarau fehlten demnach monatlich über 20 Millionen Franken. Ein Liquiditätsengpass könne grundsätzlich dazu führen, dass Löhne nicht ausbezahlt werden können, hielt das Spital fest; um das zu verhindern, nehme es Bankkredite auf.
Weitere Stimmen aus demselben Bericht:
- Beim Spital Muri müssten alle Kosten vorfinanziert werden. Der Verwaltungsrat habe entschieden, dass das Personal den Engpass nicht tragen soll.
- Das Universitätsspital Basel warnte, das Risiko eines Engpasses wachse, je länger die Umstellung dauere.
- Zürich und das Inselspital Bern hätten sich vorbereitet oder Übergangslösungen. HOCH Health Ostschweiz habe Zusicherungen für Akontozahlungen erhalten.
Als Ursachen nennt der Bericht Abrechnungssoftware, die noch nicht überall bereit war, und Versicherer, die während der Übergangszeit Zahlungen zurückhielten. Nach Angaben des Kantonsspitals Aarau schlug der Spitalverband H+ landesweite Akontozahlungen vor; der Versichererverband prio.swiss lehnte ab. prio.swiss verwies darauf, dass solche Lösungen Sache der einzelnen Spitäler und Versicherer seien und der Tarif seit November 2024 bekannt gewesen sei.
Mai: USZ und LUKS noch ohne Pauschalen-Rechnungen
Im Mai griff SRF das Thema erneut auf. Das Universitätsspital Zürich konnte Leistungen nach den ambulanten Pauschalen demnach seit Jahresbeginn noch nicht in Rechnung stellen; die Abrechnung sei im Test und solle «im Verlaufe des Monats Mai» starten. Bei weiteren Verzögerungen drohten Liquiditätsengpässe.
Das Luzerner Kantonsspital hatte laut SRF noch keine Rechnungen für ambulante Leistungen verschickt; der Start war für Mitte Mai 2026 vorgesehen. Das Kantonsspital Graubünden nannte eine Verzögerung von rund zwei Monaten wegen der kurzen Vorlaufzeit. In St. Gallen konnten ambulante Leistungen abgerechnet werden, aber nur als Einzelrechnungen und in enger Abstimmung mit den Versicherern.
Der Spitalverband H+ riet seinen Mitgliedern laut SRF, mit Banken oder Kantonen über mögliche Überbrückungskredite zu sprechen. Der Zeitplan sei von Anfang an sehr ambitioniert gewesen; den Starttermin 1. Januar habe der Bundesrat festgelegt.
Einordnung: was das für Praxen bedeutet
Die grossen Engpässe betrafen Spitäler, die ihre Rechnungen gar nicht erst verschicken konnten. Für Praxen gilt derselbe Mechanismus im Kleinen: Jede Rechnung, die zurückkommt oder gekürzt wird, verschiebt den Geldeingang. Für eine Praxis mit festen Löhnen und Mieten zählt deshalb, dass eine Rechnung beim ersten Versand stimmt und dass Rückfragen schnell beantwortet sind.
Welche Fehler bei Rückweisungen typisch sind, haben wir in einem eigenen Beitrag zusammengestellt: Zurückgeschickte TARDOC-Rechnungen: die häufigsten Gründe.